Die 1. German Adventuregolf Masters - ein Resümee

Eine Woche in Hildfeld bei Winterberg - was macht man da? Außer Minigolf und Wandern gibt es nichts. In Winterberg könnte man sicher etwas unternehmen, aber die Busverbindung dorthin war für mich auch nicht gut. Doch für die erste GAGM auf dem Adventuregolfplatz in Hildfeld war viel Training erforderlich. Niemand kannte den Platz, alles war von Grund auf herauszutrainieren. Doch das macht für mich ja gerade den Reiz des Minigolfsports aus. Und ich dachte mir, wenn ich keine Lust mehr zum Trainieren habe, dann gehe ich Wandern.

Das Training

Am Montag bin ich bereits angereist, obwohl der Adventuregolfplatz dann noch geschlossen war. Doch mit öffentlichen Verkehrsmitteln bin ich über 4 Stunden unterwegs. So konnte ich am Dienstagmorgen ausgeruht mit dem Training beginnen. Ein paar alte Bekannte wie z.B. André Kuhn und Peter Hickert waren auch da, so dass wir fast den ganzen Tag zusammen die Bahnen austrainiert haben. Im August war ich schon einen Tag zum Training da, um zu sondieren, was ich an Bällen brauche. Mit Willi Hettrich, der auch im Sommer einen Tag zum Training da war, hatte ich mich ausgetauscht. Die erste Runde am späten Nachmittag war dann schon verheißungsvoll - eine 33 mit 5 Assen.




Am Mittwoch füllte sich der Platz allmählich. Die Bottroper waren schon fast vollständig. Nachmittags kam dann der einzige ausländische Teilnehmer Martin Lundell aus Schweden an. Ich hatte ihn mit einem Pistenplan versorgt und mit ihm ausgemacht, dass wir am späten Mittwochnachmittag mal zusammen herumgehen können, damit ich ihm zeigen kann, was wir bereits herausgefunden hatten. Es zeigte sich schnell, dass er geeignetes Ballmaterial dabei hatte und mit den Bahnen ganz gut zurecht kam.

Am Donnerstag waren dann schon die meisten Teilnehmer zum Training da. Nach weiterem Bahnentraining habe ich mir den obligatorischen Pöttplan erstellt. Das ist auf Adventuregolf-Anlagen ein Muss und kostet immer ein paar Stunden Zeit. Allerdings sind in Winterberg die meisten Pötts unkritisch. Nur an einigen Stellen gibt es ein leichtes Gefälle zu beachten. Die meisten Pötts sind gerade. Auf den drei Bahnen mit weißem Filz muss man jedoch zügiger pötten, da der Filz stark bremst und die Bälle unregelmäßig laufen können. So einfach wie in Winterberg ist das Pötten aber nicht auf allen Adventuregolf-Anlagen. Bei der WAGM in Gumpoldskirchen habe ich fast einen ganzen Tag für die Erstellung des Pöttplans gebraucht. Ohne den Pöttplan wäre ich dort hoffnungslos verloren gewesen, denn dort war kaum ein Pött gerade. Teilweise musste man 2 -3 Ballbreiten neben das Loch halten.

Weitere Trainingsrunden habe ich erst am Freitag geschafft. Die waren nicht so gut wie erwartet, weil noch mit einigen Fehlern belastet. Doch die Schlagvarianten und Bälle lagen weitgehend fest. So war ich gut vorbereitet auf das Turnier. Es waren schon ein paar 30er Runden gespielt worden, so dass zu erwarten war, dass im Turnier auch eine Runde unter 30 gelingen würde. Martin Lundell spielte im Training z.B. eine 30 mit 8 Assen.

Das Training war so intensiv, und ich habe ja auch meine Erfahrungen an andere Spieler weitergegeben und mit ihnen herumtrainiert, so dass tagsüber keine Zeit für andere Aktivitäten war. Nach 18:00 lohnte es sich nicht mehr, eine Wanderung zu beginnen. So bin ich nicht zum Wandern gekommen und habe doch wieder fast die ganze Zeit auf dem Minigolfplatz verbracht.

Doch das alles hat auch viel Spaß gemacht, denn wir haben an fast allen Bahnen eine Schlagvariante gefunden, mit der Asse herausspielbar waren, auch wenn das oft nicht einfach ist. Denn an vielen Bahnen ist nur ein Vorlaufass möglich, für das man sehr genau spielen muss. Nur an wenigen Bahnen sind Rücklaufschläge möglich. An zwei Bahnen ist das normale Ergebnis eine Drei. An der Eisrutsche, der Bahn 2, ist zwar auch ein Ass möglich, doch dafür braucht man viel Glück. Und an der Bahn 16, dem Labyrinth, war gar kein Ass möglich. Hier war sogar die Zwei schon eine Herausforderung. Am Trailpark, der Bahn 15, war ein Ass nahezu unmöglich. Die Bahn besteht aus einem Holzgerüst, das vom ca. 1,50 m erhöhten Abschlag in einer S-Kurve abwärts Richtung Endkreis verläuft. Wie der Ball im Endkreis ankommt, ist schon schwer zu kontrollieren, doch wie er dann an der Endkreisbande bandet, ist wegen der Steigung im Filz vor der Bande völlig unvorhersehbar. Nur ein einziges Ass wurde im Turnier gespielt. Auch an der Bahn 2 gab es nur ein Ass.




Die schrägste Bahn aber ist die Ruhrquelle, die Bahn 6. Der Ball muss in einen Wasserkanal gespielt werden und wird dann in eine gitterförmige Metallrinne gespült, von wo aus er in den Zielbereich rollt. So weit, so gut. Doch der Zielbereich besteht aus Schieferplatten, zwischen denen teils breite Fugen sind. Wenn der Ball nicht ins Loch geht, ist ein kontrolliertes Pötten unmöglich. Hier haben sich viele den Kopf zerbrochen, was wohl für Ergebnisse herauskommen werden und ob nicht eine Sonderregel sinnvoll wäre. So hat das Schiedsgericht entschieden, dass wenn der Ball den linken Zielbereich, wo das Loch ist, erreicht und nicht ins Loch geht, kann er unter Anrechnung eines Schlages aus der Bahn genommen werden. Das ermöglichte ein faires Spiel an der Bahn. Mit bestimmten Bällen war die Asschance durchaus beträchtlich. Mit dem mg Solna haben ich und André Kuhn je drei Asse und Willi Hettrich zwei Asse gemacht.

Bilder der Bahnen auf der Webseite des Betreibers

Nach dem ersten Training im letzten Jahr, wo die GAGM noch abgesagt werden musste, und dem Trainingstag im August war ich nicht optimistisch, dass man auf dem Platz viele Asse herausspielen könnte. Doch das intensive Training vor der GAGM hat viele Schlagvarianten hervorgebracht, die assträchtig sind. So bleiben am Schluss eigentlich nur die Bahnen 2, 11, 15 und 16, an denen sich keine zurverlässigen Schlagvarianten gefunden haben, die Asse versprachen. Ein Dutzend Bahnen ermöglichen durchaus eine gute Assquote. Man darf auf Adventuregolf nur nicht erwarten, dass jeder gute Schlag automatisch zu einem Ass führt. Auf Quote zu spielen, ist hier erfolgversprechender.

Sehr erfreulich war, dass entgegen frühen Wettervorhersagen alle Trainings- und Turniertage trocken waren. Geregnet hat es nur abends oder nachts - wenn überhaupt. So konnten alle gemäß ihren Möglichkeiten trainieren, und die Bahnen waren gut bespielbar. Auch wenn es nachts stark geregnet hatte, stand am Morgen kein Wasser auf den Bahnen, wie ich es z.B. bei der British Open in Dorridge erlebt habe. Die Feuchtigkeit auf dem Filz stört kaum, und im Laufe des Vormittags sind die Bahnen schnell abgetrocknet.

Das Turnier

Am Samstag begann dann mit den ersten drei Runden das Turnier. 42 Teilnehmer und Teilnehmerinnen hatten sich eingefunden. Michael Löhr musste wegen eines Notfalls in der Familie leider kurzfristig absagen. Die GAGM war auch für Nicht-Vereinsspieler bzw. Nicht-Aktive offen. 11 Hobbyspieler nahmen teil. Holger Hinsel musste nach dem ersten Turniertag leider aufgeben.

Auch von den Hobbyspielern wurden einige recht ordentliche Ergebnisse gespielt. Zwei von ihnen erreichten sogar die Endrunde der besten 30, was nicht einmal allen Vereinsspielern gelang. Am ersten Turniertag habe ich mit Tobias Bäuerle zusammengespielt, und der ist richtig talentiert. Mit seinem Golf-Putter und den wenigen Bällen hat er gut gespielt. Er ist über eine DMV-Maßnahme auf dem Adventuregolfplatz in Freudenstadt auf die GAGM aufmerksam geworden. Auch der Golflehrer Fabian Ochse aus Pinneberg spielte recht gut. Wie er zur GAGM kam, ist schon kurios. Wir haben einen gemeinsamen Freund in Amerika - Frank Bisesi, ein sehr guter Adventure-Golfer. Er machte Fabian darauf aufmerksam, dass in Deutschland ein Adventuregolfturnier stattfindet und empfahl ihm, an der GAGM teilzunhemen. Frank Bisesi habe ich bei der WAGM auch zur GAGM eingeladen, doch der Weg war ihm verständlicherweise zu weit.

Am besten startete André Kuhn mit einer 32 ins Turnier, dicht gefolgt von Martin Lundell und Brezel (Sebastian Heine). André ist ein Pionier im Adventuregolf. Er war einer der ersten deutschen Spieler, die schon in den 90er Jahren die British Open gespielt haben. Wir kennen uns von vor meiner ersten British Open in 2006, wofür er mir einige Tipps gegeben hatte. Nach der zweiten Runde führte André mit 67 immer noch, zusammen mit Achim Braungart-Zink. Brezel und Jörg Jansen lagen mit 69 knapp dahinter. Es deutete sich schon an, dass die Topspieler auch auf Adventuregolf ihr Spiel umsetzen können. Brezel und Achim haben aber auch bereits Erfahrungen auf Adventuregolf.




Ich lag nach zwei mäßigen Runden auf Platz 14. Die 34 in der dritten Runde hat mich dann auf den 12. Platz nach vorne gebracht. In Führung lag nun Brezel mit 101 vor André Kuhn mit 103. Auch Klaus Jarosch und Igor Pekrul kamen gut mit der Anlage zurecht und lagen zusammen mit Achim mit 104 hinter den beiden Führenden.

Das Finale

Am Sonntag wurde noch eine Finalrunde von allen gespielt. Diese 4. Runde beschloss dann die Wertung der Deutschen Meisterschaft und die GAGM-Wertung nach Kategorien. Mir gelang eine fehlerfreie Runde mit 5 Assen. Sogar an der Par-3-Bahn 2 gelang mir eine Zwei. Mit der 32 sprang ich auf den 6. Platz. André spielte mit 31 seine beste Runde und setzte sich wieder an die Spitze. Auch Martin Lundell (31) und Klaus Jarosch (32) gelangen außergewöhnlich gute Runden. Sie lagen nun gleichauf auf Platz Zwei, zwei Schläge hinter André. Brezel folgte mit einem Schlag und Achim Braungart Zink mit weiteren zwei Schlägen Abstand.



In der DM-Wertung der Seniorenklasse gewann also André Kuhn vor Klaus Jarosch und mir. In der allgemeinen Klasse siegte Brezel vor Achim und Christian Zielaff. Jugendliche waren nur zwei am Start. Felicitas Haubrock gewann vor Annika Sophie Hensel. Felicitas war auch in der Gesamtwertung auf Platz 13. Bei den Hobbyspielern spielten die beiden oben erwähnten am besten. Fabian Ochse gewann vor Tobias Bäuerle und dem "Heim-Hobbyspieler" aus Winterberg Sven Stamm. In der GAGM-Seniorenwertung landete der Schwede Martin Lundell auf dem zweiten Platz und verdrängte Klaus Jarosch und mich auf die Plätze 3 und 4.

Für mich verlief die 4. Runde außerordentlich glücklich. Mit dem Ass an der gefährlichen Bahn 18, dem Sportplatz, hatte ich noch einen Schlag Vorsprung vor Willi Hettrich und Christian Zielaff. So belegte ich den 6. Platz alleinig, was mir die Bronzemedaille in der DM-Wertung der Senioren gebracht hat, und ich bekam 100 Punkte in der Tourwertung der WAGT, der World Adventure Golf Tour. Zusammen mit den 50 Punkten von der British Open liege ich derzeit noch unter den Top-36 der Tour und wäre für das Finale in Brno im April nächsten Jahres qualifiziert. Aber es kommen noch 5 Turniere in der WAGT. André Kuhn bekam für seinen 1. Platz nach 4 Runden 500 Punkte und dürfte sicher qualifiziert sein. Martin Lundell ist als Gesamtsieger nach 5 Runden automatisch qualifiziert. Er will das WAGT-Finale auch spielen.




Turniere der WAGT

Aktuelle Rangliste der WAGT

Die 5. Runde war dann die Endrunde um den kategorienunabhängigen Gesamtsieg bei der GAGM. Martin Lundell zeigte seine ganze Stärke und spielte eine weitere 31. Bei André Kuhn lief es nicht so gut. Mit einer 37 fiel er hinter Martin zurück. Doch sein Vrosprung vor den Anderen war groß genug, dass er es noch ins Stechen um den zweiten Platz mit Brezel und Achim Braungart-Zink schaffte. Das Stechen gewann er souverän mit einem Ass an Bahn 1. Brezel gewann an Bahn 2 gegen Achim und belegte den dritten Platz.

Wie es einen auf dem Platz in Winterberg erwischen kann, zeigten die letzten beiden Runden von Michael Dittrich. Mit ihm habe ich die 4. Runde gespielt. Nach der dritten Runde stand er auf Platz 8. Bis zur Bahn 18 hatte er eine gute Runde auf dem Schläger und stand zwei tief. Dann erwischte es ihn kalt am Sportplatz, der letzten Bahn. Mit einer Glocke hatte er nur noch eine 39. In der letzten Runde lief es dann wohl gar nicht mehr, und mit einer 42 fiel er auf den 27. Platz zurück. Das ist dann schon tragisch, aber auf Adventuregolf nicht selten.

Und was wurde aus unseren talentierten Hobbyspielern? In der Gesamtwertung erreichte der Golflehrer Fabian Ochse den 25. Platz und Tobias Bäuerle aus Freudenstadt den 30. Platz. Ich hoffe, Tobias findet bald einen Verein, für den er aktiv spielen kann. Das würde ich ihm und unserem Sport wünschen.

Ergebnisse

Fazit

Insgesamt ist meine Strategie, konsequent auf Ass zu spielen und mich mit einem Pöttplan gegen Pöttfehler zu wappnen, aufgegangen. Alle meine Pöttfehler waren verrissene Schläge, die wohl meiner allgemein schlechten Form in diesem Jahr geschuldet waren. Und ich habe die zweitmeisten Asse im Turnier gemacht. Trotzdem sehe ich Verbesserungspotential, wie eigentlich immer. Ich bin recht sicher, dass dies nicht mein letztes Turnier in Winterberg war. Ich freue mich schon auf die nächste GAGM, wo immer die sein wird. Allen Teilnehmern, mit denen ich gesprochen habe, hat es viel Spaß gemacht. Vielleicht wächst das Interesse an Adventuregolf in Deutschland jetzt.

Einziger Kritikpunkt an der GAGM war die späte Bereitstellung des speziellen Regelwerks für das Turnier. Auf Adventuregolfplätzen bedarf es einiger Festlegungen, die wir auf unseren Systemen nicht brauchen. Das Abschlagfeld und Ablegeregeln müssen festgelegt werden, denn auf Adventuregolfplätzen gibt es dafür keine Markierungen. Auch Grenzlinien gibt es dort nicht. Das ist auch im Ausland so. Ich bin in Winterberg schon ab Dienstag von vielen angesprochen worden, von wo man denn abspielen darf, wie man den Ball ablegen darf, und was passiert, wenn der Ball die Bahn verlässt. Ich wusste das ja selbst nicht und habe lediglich meine Erfahrungen von anderen Turnieren weitergegeben. Meistens stimmte das mit dem später festgelegten Regelwerk überein. Es wäre wünschenswert gewesen, dass die Teilnehmer und Teilnehmerinnen schon zu Anfang der Woche vom DMV über die Regeln informiert worden wären. Erst am Donnerstag wurde ein Schriftstück an alle ausgegeben. Die Sonderregel an Bahn 6 wurde sogar erst am Freitagmorgen vom Schiedsgericht entschieden.

Wenn ich den Adventuregolfplatz in Winterberg mit anderen Plätzen vergleichen soll, würde ich sagen, dass es ein mittelschwerer Platz mit relativ einfachen Pötts ist. Angst vor langen Pötts muss man nicht haben. Da war Gumpoldskirchen eine andere Hausnummer. Ergebnistechnisch lässt sich Winterberg vergleichen mit Dorridge, wo die Bahnen auch ähnlich aufgebaut sind, und Margate, wo die Banden allerdings aus relativ glatten Steinen bestehen. Horni Bezdekov bei Prag ist ähnlich anspruchsvoll, lässt aber etwas bessere Ergebnisse zu. Der Pirategolf-Course in Hastings ist ganz anders. Die Bahnen sind zwar ähnlich aufgebaut wie in Margate, aber viel assträchtiger. Hier sind schon 24er Runden gespielt worden (auch von mir). Das ist dann schon eine Art Minigolf, wie wir sie von Beton und Eternit kennen.

Ich möchte mich ganz herzlich bei den Organisatoren und den Platzbetreibern für die Vorbereitung und Ausrichtung der GAGM bedanken. Es hätte kaum besser laufen können.

Karsten Hein
BGV Bergisch Land

 
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