Vom Töter zur Dame
Kooperation zwischen Minigolf- und Schachjugend
Während des letzten Wochenendes im August trafen sich die Juniorteams der Deutschen Schachjugend (DSJ) und der Deutschen Minigolfsport Jugend (DMJ) im Rahmen der DM Abteilung Beton in Landshut. Leonhard Kinsky, Mitglied des Juniorteams der Schachjugend beschreibt seine Eindrücke des Wochenendes und vom Leistungssport Minigolf.
Am Freitag erreichte ich mit zwei Stunden Verspätung die Türschwelle der „La Osteria“ und – aha – erkannte umgehend vertraute Gesichter. Tom Werner und Leonid Löw saßen mit 6 weiteren Menschen an einem Tisch. Dazwischen und außerhalb saßen einige mir unbekannte Gesichter, die sich als das Juniorteam der Deutschen Minigolfsport Jugend, kurz DMJ, herausstellten und Fabian Schmitz. Nach einer kleinen Vorstellungsrunde kamen wir in ein Gespräch über die hochaktuelle Diskussion über den Wehrdienst. Wenige Stunden zuvor wurde im Bundestag ein neues Wehrdienstmodell verabschiedet. Nach einer Runde Kartenspielen vor dem Hotel ging es für uns ins Bett. Mir wurde wegen meiner Spätregistrierung ein Einzelzimmer zugelost, worüber ich mich freute.
Am nächsten Morgen fuhren wir nach dem Frühstück zu der Minigolfanlage, auf der seit Freitag die Deutsche Minigolf Meisterschaft des Systems Beton, kurz DM Beton 2025, ausgetragen wurde. Anfangs sahen wir uns im Zuschauerbereich um. Chessy, das Maskottchen der Deutschen Schachjugend, war in Form eines Kuscheltiers auch mit dabei. Dann bauten wir einen kleinen Stand auf, um die Anwesenden auf das Kooperationsprojekt, aber auch auf das junge Engagement in Form von Juniorteams in beiden Sportarten aufmerksam zu machen. Die Juniorteamer*innen der Minigolfjugend, Luca, Jan Uwe, Sarah, Lena und Ash trauten sich auch ans Schachbrett. Doch zunächst battelten sich die Schachspieler Tom und Fabian. Neben uns gab es einen Verkaufsstand für Minigolfbälle. Es entsprach jedoch keiner meinen Idealen (sprich: nicht einer hatte meine Lieblingsfarbe limettengrün), weshalb es Tom und mich auf die Miniaturgolf-Anlage zog.
Es gab eine weitere Anlage, die einen anderen Boden hat: Eternit (Faserzement). Dieses System nennt man Miniaturgolf. Sie wurde während der DM Beton nicht von den Profis bespielt. Frech wie ich bin, habe ich mit Tom um einen Fünfer gewettet und habe mit ihm die 18 Bahnen durchgespielt. Kostenlos sogar – wir gingen als Juniorteamteilnehmer mit Freikarten vom Landshuter Verein ausgestattet von Bahn zu Bahn. Während des ersten Durchgangs machte uns „Team-Mama“ Lena auf das Leistungssportabzeichen Gold aufmerksam. Tom packte sofort der Ehrgeiz. Dafür muss man auf einer solchen Anlage 45 oder weniger Schläge für 18 Bahnen brauchen. Das entspricht durchschnittlich 2,5 Schlägen pro Bahn. Da sowohl Tom als auch ich bei zwei Bahnen nicht den dafür einzig zulässigen Weg abspielten, durften wir noch ein zweites Mal unser Bestes geben. Ich hätte bei der letzten Bahn maximal vier Schläge brauchen dürfen, habe dann aber grob gepatzt und brauchte fünf. Tom hätte die Bahn 18 assen müssen. Er schaffte es jedoch nur in zwei Schlägen, weshalb wir beide mit 46 Schlägen um einen Schlag das Abzeichen in Runde 2 verpasst hatten. Nach einer längeren Mittagspause und einem Knockout Punch auf dem Schachbrett gegen Fabian ging es für ein ambitioniertes Quartett zurück in den Schützengraben (die Miniaturgolfanlage): Tom und ich wurden von Fabian und Jan Uwe angefeuert und alle vier spielten mit. Bevor Lena, die das Abzeichen abnehmen durfte, dazustieß, übten Tom und ich nochmal die für uns herausforderndsten Bahnen. Dazu zählte das Rohr, bei dem wir streng nach Turnierregeln nur durch das kleine Loch in der Mitte durchspielen durften, und das Netz. Während der Abnahme holperte es bei mir teilweise an Bahnen, die ich zuvor schon mehrfach asste. Gegen Ende verriet mir Lena absichtlich nicht, wie eng es ist und so schlug ich die 18te und letzte Bahn mit zwei Schlägen. Mein Ergebnis: 41. Beim nächsten Mal ist mein Ziel, eine drei vorne zu haben. Fabian und Jan Uwe schlugen beide 43 und Tom, wie soll ich sagen, segelte dieses Mal noch etwas deutlicher am Abzeichen vorbei. Trotz der Übung am Netz war es eine seiner Brecher-Bahnen. Die Spitznamen der Bahnen fand ich, als Neuling im Miniaturgolf, sehr komisch. Sowohl Tom als auch ich assten beispielsweise „den Töter“ bei den ersten zwei Durchgängen. Dann sahen wir uns noch die letzten Durchgänge bei der DM Beton an. In einer Altersklasse wurde im Stechen entschieden, wer den zweiten Platz belegt. Beide assten die erste Bahn, bei der zweiten Bahn asste der erste Spieler nicht, verfehlte das Loch jedoch nur knapp. Zu sehen, wie einige andere Minigolfer die Luft anhielten und in Ehrfurcht den Ball ins Loch rollen sahen, war ziemlich cool.
Vor der Siegerehrung gingen wir noch shoppen, da so mancher Teilnehmer im Ablauf den „etwas schickeren Abschlussabend“ überlas. Da ich nur Sporthosen für das Wochenende eingepackt hatte, machte ich mich gemeinsam mit Fabian, Leo und Tom auf den Weg zum Woolworth. Merke: Man sollte beim Packen die Einladungsnachricht aufmerksam durchlesen. Die Siegerehrung fand wenige Stunden später in den „Ergoldinger Stuben“ statt. Es gab mir klassisch-bayrische-Stammtischkneipe-Vibes. Die Siegerehrung dauerte weniger lang als Siegerehrungen bei Schachturnieren, wirkte dennoch ziemlich lang. Das lag auch daran, dass es noch einige Ehrungen und Danksagungen gab. Eine Ehrung war für einen Spieler, der seine 50. Deutsche Meisterschaft mitspielte. Das war ein kleiner Wow-Moment. Die Müdigkeit zwang Tom und mich, den Nachtisch zu überspringen und das Hotel anzusteuern.
Den letzten Tag verbrachten wir nach einem gemütlicheren Frühstück wieder auf der Anlage. Dort planten wir weiter unsere gemeinsame Sportveranstaltung und überlegten uns ein Turnierformat für das Event, was wir im nächsten Jahr gemeinsam ausrichten wollen. Wir testeten das Format auch umgehend mit vier Teams: Lena, Leo und Sarah bildeten ein Team, Tom schnappte sich Luca, Fabian und Jan Uwe spielten gemeinsam und ich spielte mit Ash. In der ersten Runde spielten Ash und ich gegen Lena und Sarah Teamschnellschach (10+3). Das bedeutet, dass jedes Team abwechselnd zieht und sie insgesamt 10 Minuten haben, aber pro Zug 3 Sekunden Zeit dazu gewinnen. Ich muss zugeben, war ich der einzige erfahrene Schachspieler, weshalb die Schachpartie an uns ging. Im Minigolf-Format spielten wir „Mixed Pair Match Play“. Auch hier behielten wir auch die Oberhand und mussten nicht einmal alle Bahnen spielen, um Sarah und Leo zu schlagen. Tom und Luca gewannen trotz zwischenzeitlicher Stellung ohne Dame im Schach gegen Fabian und Jan Uwe, die sich jedoch auf den Bahnen durchsetzen konnten. Das Los zeigte ein Stechen im Minigolf ab Bahn 10 an, welches Fabian und Jan Uwe für sich entschieden. Im Finale spielten wir also gegen Fabian und Jan Uwe. Zunächst stand die Schachpartie an. Ash, noch etwas unerfahren im Schach, übersah noch einiges, was aber nicht weiter schlimm war. Wir standen zwar klar auf Verlust, aber schlussendlich zog Jan Uwe den König auf ein bestimmtes Feld, sodass ich mit Th8# die Partie beenden durfte. Im anschließenden Minigolfmatch haben wir wie zuvor nur die geraden Bahnen gespielt (2,4,6 etc.). Die erste Bahn ging an Jan Uwe und Fabian. Bei der zweiten asste Jan Uwe, ich durfte nachziehen – und asste auch. So machten wir uns auf den Weg zu den nächsten Bahnen. Für Ash und mich lief es immer besser und einige Fehler seitens der „Profis“ brachten uns in einen kleinen Vorteil, den wir bis zur achten Bahn hielten. Dort reichte bereits ein Unentschieden, weshalb wir nur zum Spaß noch weiterspielten. Wir gewannen also das Mini-Turnier, Jan Uwe und Fabian belegten den zweiten Platz. Tom und Luca gewannen gegen Leo, Lena und Sarah das Spiel um Platz drei. Die Schnellschachpartie und 9 Minigolfbahnen dauern erstaunlicherweise ähnlich lange – natürlich abhängig von den Fähigkeiten der Spieler*innen. In mir schlummert, wenn man Lena fragt, ein kleines Minigolftalent. Nur für die Jugend bin ich leider bereits zu alt.
Kurz danach endete die Veranstaltung. Wir nahmen uns noch Zeit für das Abschlussfoto, bei dem einige das hellblaue Juniorteam-Shirt trugen. Auf dem Parkplatz verabschiedeten wir uns und traten den Heimweg an. Insgesamt brachte das Juniorteamtreffen einen gelungenen Austausch zwischen den beteiligten Repräsentant*innen der Sportarten hervor. Das nächste Treffen ist für November angesetzt.
Leonhard Kinsky
Juniorteamer DSJ














