Nachlese zur British Minigolf Open 2011 in London-Sidcup


Zum ersten Mal in der Geschichte hat die British Minigolf Open einen britischen Sieger. Marc Chapman gewann knapp vor Michael Smith. Sean Homer, für den der Platz in London-Sidcup praktisch ein Heimplatz ist, wurde Dritter. In einer Rede zum Schluss sagte Marc, dass er erst seit 2008 spielt und immer davon geträumt hätte, einmal die BO zu gewinnen. Bei der Siegerehrung sang er dann lauthals "God save the Queen", als die britische Nationalhymne gespielt wurde. Ein sehr erfreulicher Moment für ihn und das britische Minigolf, denn es wurde höchste Zeit, dass die Briten einmal die Vormachtstellung der ausländischen Spieler gebrochen haben. Auch ich freue mich für die Briten. Mein Favorit war ja Michael Smith, der ja auch nur knapp geschlagen wurde. Das lässt hoffen für das britische Minigolf.

Nervenprobe
Weil es zum Schluss so eng war, musste Michael seinen Sicherheitsschlag am Pudding, der Bahn 17, aufgeben, und machte eiskalt sein erstes Ass an dieser Bahn. Die drei Führenden, Marc, Michael und Sean, machten dort alle ein Ass - ein Zeichen für starke Nerven an dieser gefährlichen Bahn in der letzten Runde. Für Sean war es das 7. Ass in der 7. Runde - Respekt! Marc und Michael waren nun nach der 17 immer noch gleich, so dass die letzte Bahn die Entscheidung bringen musste. Michael verlor die entscheidenden Schläge erst durch zwei verfehlte Pötts. Das klingt jetzt sehr nach schwachen Nerven, aber es gibt da ein paar Stellen an der 18, von wo die Pötts sehr schwer einzuschätzen sind, und genau da lag sein Ball. Ich kann das aus eigener Erfahrung sagen, denn ich hatte in der letzten Runde auch einen solchen Pött.

Continental Player
Für sog. Continental Players lief es diesmal gar nicht gut. Ich bin mit einem für mich etwas enttäuschenden Ergebnis (fast ein 36er Schnitt) auf Platz 14 gelandet. Ich hatte mit einem Schnitt von 34 bis 35 gerechnet, so wie bei der Players Championship. Aber auch damit wäre ich nicht über Platz 7 hinausgekommen. Einzig der schwedische Vorjahressieger Eirik Seljelid landete unter den ersten 8, übrigens fast genau mit dem von mir anvisierten Schnitt. Die anderen ausländischen Spieler waren auch nicht viel besser. Der Schwede Björn Dinau, der immerhin 2008 Zweiter und 2009 Dritter war, erreichte nicht einmal die letzte Runde. Ich denke, es war einfach sehr schwer, dort viele Asse zu machen. Man braucht wohl viel Spielpraxis auf dem Platz, um ein gutes Gefühl für die Schläge zu bekommen, und dafür hatten die ausländischen Spieler einfach nicht genug Zeit. Es liegt wohl auch daran, dass die Metalltöpfe in den Ziellöchern häufig zu Lochrändern führen. Wenn Bälle langsam aufs Loch zulaufen, drehen sie häufig ab, weil die Metalltöpfe an manchen Bahnen etwas hoch stehen. Interessant ist auch, dass nur relativ wenige britische Spieler angemeldet waren, weil einige sich wohl auch an dieser unangenehmen Eigenart des Platzes gestört haben. Es gab deshalb nur 39 Teilnehmer. In den Vorjahren waren immer ca. 50 - 70 Spieler angemeldet.

Die Ergebnisse findet ihr hier:
Ergebnisse BO 2011 London Sidcup

Dazu passt das Fotoalbum mit den Bildern von Marion Homer

Auch britische Spieler bringen eine große Begeisterung fürs Minigolf mit. Tony Kelly feierte am Sonntag, dem zweiten Turniertag seinen 50. Geburtstag, spielte aber trotzdem das Turnier. Seine Familie würdigte das mit einem Geburtstagskuchen in Form einer Adventuregolf-Bahn, wie auf den Fotos zu sehen, der dann anschließend vom Teilnehmerfeld verspeist wurde.

Der Breitensport Adventure Golf und seine wirtschaftlichen Rahmenbedingungen
Ich habe mal wieder gelernt, wie beliebt Adventure Golf als Breitensport in England ist, und warum die Briten immer nur Adventuregolf-Plätze bauen. Während des Turniers habe ich mich mit einer Managerin des Golfclubs unterhalten und erfahren, dass die beiden Plätze erst letztes Jahr im Mai gebaut wurden. Sie wollte mir wohl nicht sagen, wie viel der Bau gekostet hat, sagte mir aber, dass sie das Geld bereits nach nur 4 Monaten wieder eingespielt hatten. Der Platz war im Sommer voll mit Publikum, mit großen Gruppen und auch Schulklassen. Ich kann nur grob schätzen, dass der Bau vielleicht 300000 - 500000 GBP oder noch mehr gekostet haben mag. Aber so viel Geld in nur vier Monaten mit Minigolf zu verdienen, ist schon unglaublich.

Pötten … oder: die Mühen der Ebene beim Adventure Golf
Ich denke, dass ich bestimmt noch mal eine BO oder eine World Adventure Golf Masters in London-Sidcup spielen werde, denn die BMGA könnte geneigt sein, eines dieser Turniere wieder dorthin zu vergeben, weil britische Spieler so erfolgreich waren. Also können wir uns schon mal rüsten, den Briten das nächste Mal das Leben so schwer wie möglich zu machen. Ich habe ja schon viel Vorarbeit geleistet und Bälle sowie Schlagvarianten ausgetestet. Allein die Erstellung eines vollständigen Pöttplans hat ca. 5 Stunden gedauert. So kann ich mich beim nächsten Mal darauf konzentrieren, die Assquote zu erhöhen. Als Ausrichter ist dieser Platz fast ideal, denn es gibt eine Hütte, in der das Turnierbüro untergebracht werden kann und sich die Spieler bei Regen unterstellen können, und das Café direkt neben dem Platz ist richtig klasse. Weil ich im Hotel an den Turniertagen nicht so früh Frühstück bekommen habe, habe ich im Café gefrühstückt, was sogar besser war als das im Hotel. Das Café wurde angeblich extra für die British Open gebaut. Bei dem vielen Geld, das der Golfclub mit den Plätzen verdient, kann ich mir das gut vorstellen.

Resümee
Insgesamt war es eine schöne Zeit in London (von meiner Erkältung einmal abgesehen). Auch wenn der Platz etwas schwierig zu bespielen war, würde ich gern wieder dort spielen, denn auf Adventuregolf-Plätzen ist es für mich immer eine besondere Herausforderung, möglichst viele Asse zu machen. Und das Rahmenprogramm in London ist natürlich traumhaft. Wenn möglich, sollte man sich für diese Stadt immer noch ein paar Tage extra für's Sightseeing nehmen.

Zum Vergleich mal eine Liste der Ergebnisse aller BO, wo ihr viele Namen aus diesem Jahr wiederfindet. Ich habe seit 2006 ununterbrochen mitgespielt.

"BO 2010 Hastings Clambers"
"BO 2009 Margate"
"BO 2008 Margate"
"BO 2007 Margate"
"BO 2006 Hastings Clambers und Seafront Minigolf"
"BO 2005 Hastings Clambers"
"BO 2004 Stratford upon Avon"
"BO 2003 Hastings Clambers"
"BO 2002 Hastings Clambers"
"BO 2001 Hastings Clambers"
"BO 2000 Hastings Clambers"
"BO 1999 Hastings Clambers"
"BO 1998 London Broomfield Park"


Karsten Hein



Heiner Sprengkamp
Redaktion Minigolfmagazin




Ein stolzer Champion Marc Chapman,
"God save the Queen" singend .


Ein glücklicher Marc Chapman,
den Pokal küssend


Michael Smith mit einem Ass am
Pudding in der letzten Runde


Sean Homer macht sein 7. Ass
am Pudding


Vorjahressieger Eirik Seljelid, der
beste ausländische Spieler


Traditionelles Gruppenfoto nach dem Turnier


Tony Kelly wurde am 2. Turniertag 50


Geburtstagskuchen für Tony Kelly


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