1. Bundesliga: Dormagen-Brechten hat eine Hand am "Pott"


Auch Mainzerinnen so gut wie durch - Walter Erlbruch und Michael Möller mit Bahnrekord (22)

Kempten. Die Tagessieger des gestrigen Bundesligaspieltages auf Beton in Kempten hießen Arheilen (Herren) und Göttingen (Damen). Die Hardenberger Herren verspielten ihre Führung aus dem 1. Durchgang und landeten schlaggleich mit Tabellenführer Dormagen-Brechten auf Rang 3. Bei weiterhin sechs Punkten Rückstand und noch einem ausstehenden Spieltag in Uerdingen sind die Titelträume des Serienmeisters nur noch theoretischer Natur. Vor der Titelverteidigung stehen dagegen die Mainzer Damen, was sie weniger ihrem 2. Tagesplatz hinter dem überragend aufspielenden Göttinger Team, als vielmehr dem völlig überraschenden letzten Platz vom Titelkonkurrenten Neutraubling zu verdanken hatten. Mainz sechs Punkte vor Göttingen - da kann der Sekt schon mal kaltgestellt werden.

Der Spieltag in Kempten auf der in einem Steinbruch idyllisch gelegenen Betonanlage mit ihren vielen Assläufen wird den Damen und Herren der 1. Minigolf-Bundesliga auch wegen des herrlichen Wetters in angenehmer Erinnerung bleiben, wobei natürlich die Blickwinkel aus der jeweiligen sportlichen Sicht auch andere sind. Die Zuschauer und anwesenden Medienvertreter nahmen jedenfalls völlig neue Eindrücke vom Minigolfen mit nach Hause. Sowohl das Redaktionsteam der "Allgäuer Zeitung", als auch der TV-Mann vom "TV Allgäu" hätten so viel Emotionen hinter dem Minigolfsport nicht vermutet. Und die Protagonisten unten auf der Anlage ließen sich nicht lumpen und gaben Frust und Freude lauthals Ausdruck. Im nächsten Minigolf Magazin werde ich versuchen, den Leserinnen und Lesern die besondere Minigolfsprache näherzubringen.

Der vorletzte Spieltag der Herren mußte die Frage beantworten, ob die Hardenberger Aufholjagd nach deren Supervorstellung in Bad Münder weitergehen würde. Und die "Hardis" machten sofort dort weiter, wo sie 14 Tage zuvor auf Filz aufgehört hatten: Führung nach dem 1. Mannschaftsdurchgang (156). 26er-Schnitt - unglaublich. Arheilgen, Dormagen-Brechten und Bochum lagen auf Schlagdistanz, während Mainz und Göttingen hier schon deutlich an Boden verloren hatten. Was ist los mit den Mainzern, die so herzerfrischend in die Saison gestartet waren? Bereits jetzt überwogen die grünen Ergebnisse auf der Anzeigentafel, weshalb sich die Spieler(innen) fortan entschieden, wie auf Miniatur zu rechnen. "Vier hoch" bedeutete demnach 22 - und genau das war der Bahnrekord, den es so ganz nebenbei zu knacken gab. "Wally" Erlbruch und Alexander Geist übten schon mal fleißig und hatten beide 23 Schläge notiert.

Trotz Auswechslung (Henri Salewski kam für Sascha Mark) gehörte der 2. Durchgang dann den Arheilgern, während die Hardenberger durch Uwe Ludwig, Michael Koziol und Walter Erlbruch drei 29er-Runden in Serie zu verkraften hatten. Folge: Die Führung war futsch, woran auch die abschließende "25" von Harald Erlbruch nichts mehr rütteln konnte. Jetzt war Arheilgen (318) vorne vor Hardenberg (322), Dormagen-Brechten (323) und Bochum (326). Mainz (333) und Göttingen (343) schauten sich das Geschehen von hinten an. Und was machte der Bahnrekord? Daniel Klosek, Achim Braungart Zink und Mike Mann schafften jeweils 24 Schläge, aber bei den Damen wurde ja auch gespielt: Bianca Oberweg jubelte über eine "23". Doch davon später.

Da abzusehen war, dass auch der Kemptener Spieltag sehr lange andauern würde, entschloss sich das Schiedsgericht zur Rundenverkürzung bei den nachspielenden Damen. Die Herren würden also das komplette Programm durchzuspielen, was aufgrund der sportlichen Brisanz, die sich aus der Tabellensituation ergibt, eine weise Entscheidung war.

Der 3. Durchgang war für Hardenberg gerade mal zwei Bahnen alt, als das Team sich zur Auswechslung entschloss. Mike Mann übernahm für Michael Koziol vor Schlag 3 an Bahn 2. Es sollten noch weitere 31 Schläge hinzukommen - für Mike, der so furios in den Spieltag gestartet war (26+24) lief in dieser Runde nichts zusammen. Schwerer Rückschlag für die Erlbruch-Truppe, und hinter der dem Tagessieg entgegeneilenden Arheilger Mannschaft lag Dormagen-Brechten plötzlich sechs Schläge vor Hardenberg. Dazwischen hatten sich in einer furiosen Aufholfjagd die Bochumer geschummelt, aber einzig das Duell zwischen dem Titelverteidiger und seinem möglichen Nachfolger elektrisierte die ohnehin schon erhitzte Luft.

In Sachen Bahnrekord nichts Neues: Patrick Bothmann, Kai Dorner und Konrad Jahr (jeweils 24) arbeiteten daran ....

Durchgang 4 mußte also die Entscheidung bringen, und die Stimmung auf der Anlage signalisierte, dass hier etwas Außergewöhnliches passieren könnte. Wie oft hatte die Bundesliga-Konkurrenz in den vergangenen Jahren schon versucht, den schier übermächtigen "Hardis" am Zeug zu flicken. In dieser Runde konnte das, was der Konkurrenz neun quälende Jahre nicht gelungen war, Wirklichkeit werden. Und wieder spielte die "Company", wie so oft, wenn´s eng wurde in der Vergangenheit, ihr bestes Minigolf. Nach vier Spielern war der Rückstand egalisiert, nicht zuletzt dank eines furiosen Durchgangs von Walter Erlbruch, den selbst die "3" an Bahn 4 nicht aus dem Rhythmus brachte: 22 - Bahnrekord eingestellt! Aber Dormagen-Brechten hat ja einen Michael Möller: Dem gelang ebenfalls die "22", weshalb die Spannung bis zur letzten Bahn erhalten blieb. Hitchcock hätte seinen Spaß an der Veranstaltung gehabt: Würde Mike Mann die Bahnen 17+18 assen, hätte Hardenberg den Tabellenführer noch überflügelt und sich damit die reelle Chance erhalten, beim Highnoon in Uerdingen Titel Nummer 10 anzugreifen. Mike asste nur die 18, sodass die Kontrahenten schiedlich-friedlich mit jeweils 643 Schlägen den geteilten 3. Rang belegten. Verhaltener Jubel bei Dormagen-Brechten, das es nun selbst in der Hand hat, in Uerdingen den Sack zuzumachen. Völlig unbeeindruckt setzten die Bochumer ihre Aufholjagd fort und schoben sich hinter Arheilgen auf den 2. Platz. Die Mainzer Schlußoffensive (Max Hermann 24, Christian Pannek 23) kam dagegen viel zu spät. Eine gute Abschlußrunde beließ sie auf dem 5. Platz.

Bester Spieler war Mannschaftsweltmeister Alexander Geist aus Arheilgen mit 99 Schlägen (23,26,26,24) vor Harald Erlbruch (Hardenberg, 100).

Tagesergebnis:
1. Arheilgen 637 (Schnitt: 26,54), 2. Bochum 642, 3. Dormagen-Brechten und Hardenberg 643, 5. Mainz 663, 6. Göttingen 680

Weniger spannungsgeladen aber nicht minder hochklassig lief der Tag für die Damen. Die Mainzerinnen hatten sechs Punkte Vorsprung vor Neutraubling mit in den Allgäu gebracht, und da hätte schon Ungewöhnliches passieren müssen, um Alice Kobisch & Co aus der Erfolgsspur zu bringen. Die Post ging vorne jedoch ohne Mainz und Neutraubling ab. Endlich einmal konnte das Göttinger Damenteam aufzeigen, warum es im Vorfeld um den Titel mitfavorisiert wurde. 80 Schläge nach Runde 1, und dahinter Olching (82). Danach erst Mainz (84). Und Neutraubling? Der deutsche Exmeister reihte sich am Tabellenende ein und sah einem verkorksten Spieltag entgegen.

Die Schlagzeilen des 2. Durchgangs schrieben der MGC Göttingen und Bianca Oberweg, die nach einer "23" auch die beste Doppelrunde aller Teilnehmer(innen) erreichte: 48 Schläge. Die zur EM rechtzeitig in Form kommende Vizeweltmeisterin trug wesentlich zum Lauf der Göttinger Mädels bei, die sich in Durchgang 2 auf 76 Schläge steigerten. Dahinter flackerte Neutraublinger Spielkunst auf, denn mit 78 Schlägen sah die Reinisch-Truppe wieder Licht am Ende des Tunnels.

Doch im finalen 3. Durchgang sollte es dann für den seitherigen Tabellenzweiten knüppeldick kommen. Jessica Werkmann erwischte eine rabenschwarze Runde, wurde nach Bahn 11 ausgewechselt. Ersatzfrau Claudia Kuhn hielt das Team dann auf Platz 3, wäre die Bahn 18 nicht gewesen .... Otto - Höchststrafe für Claudia, Höchststrafe für Neutraubling, das nun komplett durchgereicht wurde und mit Bensheim geteilter Letzter wurde. Vorne nichts Neues: Göttingen spielte "vom andern Stern", schaffte erneut einen 76er-Mannschaftsdurchgang und im Schnitt 25,77 Schläge pro Runde. Sensationell für Betonbahnen.
Mit dem 2. Platz haben die Mainzerinnen dennoch für eine Vorentscheidung im Titelkampf gesorgt, denn weiterhin sechs Punkte Vorsprung vor dem neuen Zweiten Göttingen sind bei noch einem ausstehenden Spieltag schwerlich aufzuholen.

Beste Spielerin war die amtierenden Europameisterin und Vizeweltmeisterin Bianca Oberweg für Göttingen mit 73 Schlägen (25,23,25) vor Alice Kobisch (Mainz, 76).

Tagesergebnis:
1. Göttingen 232 (Schnitt: 25,77), 2. Mainz 249, 3. Olching 259, 4. Uerdingen 261, 5. Bensheim-Auerbach und Neutraubling 262

Stimmen zum Spieltag:

Rainer Hess (Arheilgen): Wir haben bereits im Training gemerkt, dass es läuft. Endlich mal ein Lichtblick." Daniel Klosek (Arheilgen): "Endlich konnten wir mal unsere Trainingsergebnisse umsetzen. Meine Formkurve steigt langsam an, aber so richtig zufrieden bin ich persönlich dennoch noch nicht." Michael Koziol (Hardenberg): "Ich denke, dass die Meisterschaft damit entschieden ist. Wir wußten, dass es hier eng werden würde und haben einfach nicht gut genug gespielt." Ivan Macho (Bochum, hat gerade sein Abitur bestanden): "Es war eine knappe Entscheidung heute, und ich wäre glücklicher, wenn wir den Spieltag gewonnen hätten. Mit meiner eigenen Leistung war ich top zufrieden." Michael Möller (Dormagen-Brechten): "Im letzten Durchgang habe ich nach Bahn 8 gespürt, dass ich einen Lauf habe. Unsere Titelchancen sind nun realistisch - eigentlich dürfte nichts mehr anbrennen." Sandra von dem Knesebeck (Göttingen): "Großartig, einfach nur großartig! Wir haben bereits im Training nicht so schrecklich gespielt, aber was dann kam, war der Hammer!" Anja Richter (Bundesligamanagerin): "Wir haben heute einen sehr gut organisierten Spieltag bei der MSG Ammersee-Allgäu erlebt. Sportlich fair und bis zur Schlußbahn spannend. Jetzt bin ich mal auf den Finaltag gespannt." Michael Löhr (Oberschiedsrichter): "Ich mußte ein paar mündliche Ermahnungen wegen Zeitspiels aussprechen, damit hatte ich die Situation gut im Griff. Es zeigt sich, dass das gesamte Schiedsgericht spielfrei sein muss. Es sollten sich meines Erachtens mehr Leute zutrauen, bei einem Bundesligaspieltag die Binde zu tragen." Und wie stuft er das Verhalten der Spieler(innen) auf einer Disziplinskala von 1-10 ein? Löhr schmunzelnd: "Ungefähr bei 5 ...."




Walter Teupe
Referent für Öffentlichkeitsarbeit
















































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